PERCEPTIONS

PERCEPTIONS
June 24 – Sep 10, 2016
Opening Friday June 24, 6-9 pm
Berlin

Dawid
Henrik Isaksson Garnell (image)
Martin Mlecko
Uta Neumann
Henrik Strömberg
Pernilla Zetterman

ENGLISH
Our perception constantly channels and processes the steady stream of information and stimuli that we are exposed to. Perceptions seeks to approach this subject by showing the works of six artists that challenge and thematise our perception in a variety of ways.

Swedish artist Dawid (Björn Dawidsson), born in the Swedish town of Örebro in 1949, has engaged and challenged the medium of photography for the past fifty years by isolating the image/object from its reality and neutralising the background. In a playful manner, he keeps presenting shifting views of ordinary and extraordinary objects. He sees a cross embedded in the bark of a birch tree, for instance, takes it out of its original context, and turns it into an abstract piece of art. His photographs confirm existing shapes while radically calling them into question at the same time, and in doing so probe our perception.

Light and composition play the lead in the oeuvre of Henrik Strömberg, born in southern Sweden in 1970. His works are the result of multi-layered processes in which he deconstructs, isolates and reassembles the most diverse objects, image elements and photographs. Many things in Strömberg’s images remain obscured, such as the one titled Door from 2013, which is a work that obscures more than it reveals and that puts our perception of bright and dark to the test. The silhouette of a door is created solely by light, reinforced by a light box, and thus becoming a light sculpture.

The Positions by Martin Mlecko, born in the German town of Essen in 1951, consist of horizontal and vertical lines drawn free-hand. Pencil and charcoal on ordinary writing paper. The drawing surface remains present. The lines on it form grids as if they were the representation of a fundamental ordering and structuring principle: Parallel horizontal lines and vertical lines intersect at right angles. Without vying for attention in any way, the innocuous graphite meshworks describe paradoxes while highlighting the kinship of opposites. In the process, the question presents itself: Do we actually see a grid, or do we behold traced pencil lines that we wish to see as grids?

Control, discipline and physical strain are the subjects favoured by Pernilla Zetterman, born in Stockholm in 1970. A recurring moment in her oeuvre is the relentless repetition that is part of exercising if you want to improve your performance. Being dyslexic, she has a generally differentiated perception, and shares it in a lyrical and striking way. In her series Grammar, Zetterman worked with letters as symbols in order to explore linguistic codification. The word combinations she used were taken from a study on dyslexia.

The composition ISHI-stone/will (rock) by Uta Neumann, born in Detmold, Germany, in 1976, consists of thirteen photographs of the same motif of a rock that show a varying greyscale ratio of bright to dark. “Each increment of emergence alters the material nature of the subject; each aspect that emerges causes another one to retreat into the background: dissolution evolves into the extraction of a presence and of the characteristics of the object at hand. As it obscures one part, the oscillation between “being” and “not being” coincides with an awareness and presence of the obscure” (Uta Neumann).

Henrik Isaksson Garnell, born in Stockholm in 1987, creates works that resemble lab situations in which he discovers new forms of life, both in a physical and in a mental sense. Similar to Mary Shelley’s efforts to bring the fiction underlying her work Frankenstein to life, Isaksson Garnell creates objects that seem to come from another galaxy, captured in photographs of scientific accuracy. However, Garnell’s pictures would be misleading to any scientist hunting for material evidence, because nothing about them can be trusted. Evidence of a parallel universe perhaps?

DEUTSCH
Unsere Wahrnehmung kanalisiert und verarbeitet permanent Informationen und Reize, die uns in einen ständigen Fluss erreichen. Die Ausstellung Perceptions versucht eine Annäherung an dieses Thema, indem sie Arbeiten von sechs Künstlern zeigt, die unsere Wahrnehmung auf vielfältige Weise herausfordern und thematisieren.

Der schwedische Künstler Dawid (Björn Dawidsson), geboren 1949, setzt sich seit fünfzig Jahren mit dem Medium Fotografie auseinander und fordert es heraus, in dem er das Bild/Objekt von der Wirklichkeit abschneidet und den Hintergrund neutralisiert. Verspielt zeigt er immer wieder andere Sichtweisen auf gewöhnliche und ungewöhnliche Objekte. In der Rinde einer Birke sieht er ein Kreuz, löst dieses aus seinem ursprünglichen Kontext und macht daraus ein abstraktes Kunstwerk. Seine Fotografien bestätigen die bestehenden Formen und stellen sie im gleichen Atemzug radikal in Frage und hinterfragen dabei unsere Wahrnehmung.

Licht und Komposition spielen die Hauptrolle in der künstlerischen Arbeit von Henrik Strömberg, geboren 1970 in Südschweden. Sie entstehen aus vielschichtigen Prozessen, in denen er unterschiedlichste Objekte, Bildelemente und Fotografien dekonstruiert, isoliert und neu zusammensetzt. Vieles bleibt bei Strömberg’s Bildern im Verborgenen, so auch bei Door, 2013, eine Arbeit, die mehr verbirgt als sie erzählt und unsere Wahrnehmung von hell und dunkel hinterfragt. Erst durch das Licht, verstärkt durch den Leuchtkasten, entsteht die Silhouette einer Tür und wird zur Lichtskulptur.

Die Positionen von Martin Mlecko, geboren 1951 in Essen, bestehen aus mit der freien Hand gezogenen horizontalen und vertikalen Linien. Bleistift und Kohle auf einfachem Schreibpapier. Der jeweilige Zeichengrund bleibt präsent. Die Linien darauf bilden Gitternetze als seien sie die Darstellung eines elementaren Ordnungs- und Gestaltungsprinzips: Parallele Horizontalen und Vertikalen kreuzen sich im rechten Winkel. Ohne jede Geltungssucht wird durch die harmlosen Graphitgeflechte Paradoxes beschrieben und Gegensätzliches verschwistert. Dabei drängt sich die Frage auf: Sehen wir tatsächlich ein Gitternetz oder sehen wir Zeichenspuren, die wir als Gitternetz sehen wollen?

Kontrolle, Disziplin und physische Anstrengung sind die Themen von Pernilla Zetterman, geboren 1970 in Stockholm. Ein wiederkehrendes Moment in ihrer künstlerischen Arbeit ist das schonungslose Wiederholen, das dazu gehört wenn man im Training besser werden will. Als Legasthenikerin hat sie generell eine differenzierte Wahrnehmung und lässt uns auf poetische und eindrückliche Weise daran teilhaben. In der Serie Grammar arbeitet Zetterman mit Buchstaben als Zeichen, um Fragen der Sprachkodifizierung zu erforschen. Die verwendeten Wortkombinationen entstammen einer Studie über Legasthenie.

Die Arbeit ISHI (Stein) von Uta Neumann, geboren 1976 in Detmold, besteht aus dreizehn Fotografien derselben Aufnahme eines Steins, bei denen das Verhältnis zwischen hell und dunkel in unterschiedlichen Graustufen variiert. “Mit jedem Schritt des Hervortretens verändert sich die Materialität des Sujets; mit jedem Hervortreten tritt auch gleichzeitig etwas in den Hintergrund: die Auflösung wird abgelöst durch das Herauslösen einer Präsenz und Beschaffenheit des Objektes. Dieses „ist“ und „ist nicht“, lässt einen Teil im Verborgenen mit einer gleichzeitigen Bewusstheit und Präsenz des Verborgenen.” (Uta Neumann).

Henrik Isaksson Garnell, geboren 1987 in Stockholm, suggerieren die Arbeiten einer Laborsituation, wo er neue Lebensformen entdeckt; sowohl körperlich als auch geistig. So wie Mary Shelley mit ihren Bemühungen, Leben in ihre Kreation Frankenstein zu bringen, kreiert Isaksson Garnell Objekte, die aussehen als kämen sie aus einer anderen Galaxie, fotografiert mit naturwissenschaftlicher Präzision. Jedoch sind Garnells Bilder für die Wissenschaft, die nach Beweisen suchen, irreführend, denn nichts an ihnen ist zuverlässig. Der Beweis für ein Paralleluniversum?